1 Jahr mit der Mavic 2 Pro – Erfahrungsbricht

Gut 1 Jahr ist es jetzt schon wieder her, dass DJI die Drohnen Mavic 2 Zoom und Mavic 2 Pro vorgestellt hat – und seit ich sie mir direkt bestellt habe (:

Wie in einer guten (oder schlechten?) Ehe, sind die Flitterwochen mittlerweile längst vorbei und der Alltag eingekehrt. Also Zeit, um ein erstes Zwischenfazit zu ziehen.

Drohnen-Bilder und Luftaufnahmen in Bremen und Niedersachsen

Wie gut ist die Mavic 2 im Alltag wirklich?


Zur Ausgangslage:
DJI hat die Mavic 2 in zwei Variationen vorgestellt, die Zoom und die Pro. Wer größte Unterschied ist dabei die Kamera. Während die Zoom-Variante einen sehr coolen, zweifachen optischen(!) Zoom anbietet, hat die Pro-Variante einen 1“ Bildsensor und eine Hasselblad-Linse…nur leider keinen optischen Zoom. Von daher stellt sich Grundsätzlich die Frage, was man möchte: Qualität, oder Spaß.

1 Jahr mit der Mavic 2 Pro - Erfahrungsbricht 1

Warum für die Mavic 2 entscheiden?

Mavic 2 Pro vs. Phantom 4 Pro

Bevor die Mavic 2 präsentiert wurde, war ich im Besitz der Phantom 4 Pro. Der Grund, warum ich mich für den Wechsel entschiedene habe, war, dass die Mavic 2 Pro im Prinzip alles bietet, was die Phantom 4 Pro bietet, nur in klein, besser und neuer.

So ist der Bildsensor auf dem Papier quasi der Gleiche. Aber die Akkulaufzeit bzw. Flugzeit ist deutlich besser. Laut Datenblatt auf der Homepage sollte sie bei der Phantom 30 Minuten betragen und bei der Mavic 2 31 Minuten. Aber um ehrlich zu sein, ich glaube, der Wert bei der Phantom wurde nachträglich noch mal etwas geschönt. Ich erinnere mich eher daran, dass die Flugzeit damals mit 23-27 Minuten angegeben wurde. Klingt jetzt erstmal nicht nach viel Unterschied, kann sich nach hinten hin aber durchaus bemerkbar machen.

Außerdem sollte die Mavic 2 deutlich leiser sein, durch neue Motoren-Technologie in den Rotoren und durch spezielle Rotorblätter. Denn um ehrlich zu sein, die Phantom 4 hat auch mit low noise Propellern ordentlich krach gemacht.

Aber es geht weiter: Die Mavic 2 bietet außerdem deutlich bessere Hindernis-Erkennung in alle Richtungen. Im Active Track Modus würde sie jetzt sogar selbstständig Hindernissen ausweichen.

Und zu guter Letzt ist die Mavic 2 einfach super kompakt. Während man für die Phantom 4 einen großen Koffer braucht, passt die Mavic in eine Kulturbeutel-große Tasche.

Welche Schwächen hat die Mavic 2 Pro?

Das oben beschriebene klingt erstmal alles super und fast zu schön um wahr zu sein. Aber was sind denn nun die Schwächen der Mavic 2 Pro?

Da gibt es tatsächlich ein paar. Gerade zu Beginn war die Software nicht unproblematisch. Damit meine ich nicht, dass sie verbugt war und man die Drohne nicht mehr steuern konnte. Aber wichtige Features, mit denen geworben wurde, haben schlicht gefehlt, oder noch nicht funktioniert. Precision Landing beispielsweise. Hiermit sollte die Drohne im Idealfall punktgenau automatisch dort landen, wo sie gestartet ist. Bei ein paar Zentimetern Abweichung würde ich jetzt nichts sagen. Aber zahlreiche Videos zeigen, dass wir hier durchaus von 1-2 Metern gesprochen haben. Es hat lange gedauert, bis es hierfür endlich ein Update gab, durch das die Mavic tatsächlich halbwegs präzise gelandet ist.

1 Jahr mit der Mavic 2 Pro - Erfahrungsbricht 2

Ein anderes Beispiel ist die Funktion namens Waypoints 2.0, mit der man Wegpunkte für die Flugroute festlegt, welche die Drohne dann selbstständig abfliegt – inklusive Hinderniserkennung! Ein super spannendes Feature. Man kann die Wegpunkte entweder vorab in aller Ruhe festlegen, oder aber während man in der Luft ist einfach einmal abfliegen. Außerdem kann man die Blickrichtung bzw. so genannte Points of Interest festlegen.

Problem: Auch dieses Feature, mit denen auch auf der Homepage schon intensiv geworben wurde, gab es erst Monate nach dem Verkauf…

Als es dann endlich verfügbar war, habe ich es direkt einmal ausprobiert. Ich muss allerdings sagen, dass ich eher so semi-zufrieden damit war. Mein Problem ist hauptsächlich, dass die Kamera-Bewegungen bzw. die Bewegungen generell sehr ruckelig waren. Fast so, als würde die Drohne sehr viele Mini-Korrekturen vornehmen. Ein Grund, weswegen ich die Funktion dann gar nicht mehr groß verwendet habe. Vielleicht haben sie das mittlerweile noch mal nachgebessert…

Viel gravierender ist die Bildqualität. Nein, die ist nicht schlecht, allerdings gibt es 1-2 Tücken, denen man sich bewusst sein sollte. Eine Besonderheit der Mavic 2 Pro ist, dass man mit 10-bit Farbtiefe filmen kann, was grob gesagt zu mehr Details und mehr Spielraum in der Nachbearbeitung führt. Das Problem dabei ist, dass die Datenmenge dabei so groß ist, dass der interne Prozessor der Drohne nicht dazu kommt, die Krümmung der Linse herauszurechnen. Das Führt dazu, dass das 10-bit Film-Material etwas „fischig“ wirken kann. Das lässt sich am Rechner allerdings vergleichsweise leicht korrigieren.

Drohnen-Foto der Lesum in Bremen Nord bei Sonnenuntergang

Apropos Rechner: Speziell wenn man in 4k filmt, braucht man natürlich ordentlich Rechenleistung für die Bearbeitung. Aber 10-bit hat hierbei eine zusätzliche Tücke. Und zwar braucht man schon wirklich professionelle Software, um diesen Codex verarbeiten zu können. DaVinci Resolve kostet beispielsweise 300€ und ist damit günstig. Das Ganze zieht also einen gewissen Rattenschwanz mit sich.

Was ich hierbei schade finde ist, dass es klein „D-Log Classic“ als Farbprofil gibt, welches dem der Phantom 4 Pro entspricht und „nur“ in 8-bit filmt. Ich bin mir sicher, dass man dies via Update ziemlich leicht hätte nachreichen können.

Und auch die Qualität der Hasselblad-Linse ist nicht so geil, wie es im ersten Moment klingt. Auch hier muss man sagen, sie ist alles andere als schlecht, aber…

Was mich speziell stört, ist die variable Blende. Eigentlich eine tolle Sache, wenn man zusätzlich zur Belichtungszeit auch die Blende steuern kann – für uns Fotografen ein MUSS. Nur lässt sich die Blende eigentlich nur um den Bereich von plusminus f/4 verwenden. Wenn man zu stark abblendet, dann wird das Licht sehr „Shiny“. Es wirkt, als hätte jemand einen Filter drüber gelegt, der alles etwas verträumter wirken lassen soll. Das heißt, dass man am Ende dann doch wieder effektiv auf ND-Filter angewiesen ist und es ziemlich egal ist, wie variabel die Blende sein kann.

Was macht die Mavic 2 Pro weiterhin besonders gut?

Während ich bei der Lautstärke das Gefühl habe, dass sie entweder mit der Zeit wieder etwas lauter geworden ist, oder aber, dass sich mein Gehör einfach so sehr dran gewöhnt hat, bin ich weiterhin restlos von den Akkus überzeugt.

Bei der Phantom 4 Pro habe ich die Flugzeit effektiv bei 15-20 Minuten in Erinnerung. Ab dann fängt die App an zu stressen und möchte sicherheitshalber gerne landen, damit noch genug Energie für den Rückflug da ist (Wobei man diesen Puffer einstellen kann).

Bei der Mavic 2 hingegen sind es 20-25 Minuten. Und das sind wirklich Welten. Bei der Phantom hatte ich häufig das Gefühl von „Was? Schon wieder alle?“, und bei der Mavic ist es ein „Hmm, eigentlich hab ich alles erledigt. Und immer noch so viel Energie übrig…kann ich noch irgendwas machen?“. Ich habe 3 Akkus, aber selten fasse ich bei einem Auftrag den dritten Akku überhaupt erst an. Und das ist wirklich stark.

Auch die Kompaktheit ist echt klasse. Kein Schleppen mehr, überall mal eben dabei. Viele Kunden gucken zwar erstmal etwas skeptisch, weil es nur so ein kleines Ding ist. Aber das „Aufklappen“ der Flügel finden viele total spannend – oder viel mehr noch, wenn man sie später wieder auf das Mini-Format zurück faltet.

Fazit und Kaufempfehlung

Wenn DJI mit einer „Fliegenden Spiegelreglex“ und mit „Hasselblad“ wirbt, dann ist das tatsächlich etwas übertrieben, die Mavic 2 Pro kocht auch nur mit Wasser. Aber kochen kann sie!
Sie ist nicht 1 zu 1 mit einer Phantom 4 Pro gleichzusetzen. Manche Dinge kann sie besser, andere Dinge hingegen leicht, aber nicht viel schlechter.

Beachten sollte man, dass sich die „Pro“ tatsächlich zunehmen auf Profis konzentriert (wobei die richtigen Hollywood-Filmer sicherlich weiterhin nur müde lächeln können). Damit meine ich vor allem, dass die höchste Bildqualität einfach auch Investitionen in der Nachbearbeitung mit sich ziehen, auf die man als privater Konsument vielleicht keine Lust hat.

In dem Sinne würde ich sagen, wer bereits eine Phantom 4 Pro hat, muss nicht zwangsläufig umsteigen. Er verpasst nur bedingt etwas, macht aber auch nicht unbedingt viel falsch, wenn er wechselt.

Wer „Consumer“ ist, dem würde ich eher zur Mavic 2 Zoom raten. Sie ist etwas günstiger und von der Bildqualität ein wenig schlechter – aber was heißt schon schlechter? Unter all den Consumer-Drohnen ist die Qualität trotzdem ziemlich gut. Besonders spannend ist aber einfach der optische Zoom, den ich bis heute noch beneide. Hiermit lässt sich einfach noch mal mehr „spielen“.

Ausblick auf zukünftige DJI-Drohnen

An dieser Stelle kann ich nur spekulieren. Ich würde aber auf folgende 3 Dinge tippen:

1. Es wird eine Mavic 2 Pro 2.0 geben, die bei der Bildqualität noch einen drauf setzt. Oder viel mehr, die mindestens einen besseren internen Prozessor hat, um die optische Verkrümmung herauszurechnen. Vielleicht wird bei der Lautstärke auch noch einer Drauf gesetzt. Mit Blick auf künftige EU-weite Drohnen-Verordnungen könnte ich mir außerdem vorstellen, dass man versucht, irgendwo keine 10g einzusparen. Denn damit würde die Drohne unter 900g wiegen und würde als „weniger risikoreiche“ Klasse eingestuft = weniger Formalitäten für uns Piloten.

2. Es wird einen Mix aus Zoom und Pro geben. DJI wäre zumindest wahnsinnig, wenn sie sich diese Chance entgehen lassen würden. Denn wie gesagt, aus meiner Sicht ist die Zoom-Funktion etwas, was ich wirklich beneide, da sie noch mal deutlich mehr Flexibilität aber auch Sicherheit bietet. Nur der kleinere Bildsensor bei der Zoom schreckt mich dann doch etwas ab.

3. Es wird keine Phantom 5 geben. Auch wenn die Silhouette der Phantom-Reihe über so Stilprägend für Drohnen war, wie beispielsweise die Form des VW-Käfer, so ist diese starre Bauweise einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Idee, dass man die Arme mit den Rotoren einklappen kann, ist genial und super Platzsparend. Viel mehr könnte ich mir vorstellen, dass man an einer „Mavic 2 XL“ arbeitet, die dem Konzept der Mavic-Bauweise treu bleibt, aber größer ist und dadurch entsprechend mehr Platz für Technik und Traglast bietet. Selbst wenn sie doppelt so groß wie die Mavic 2 wäre, so wäre sie trotz allem nur halb so groß, wie die Phantom.

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